Wie gestern beiläufig erwähnt, hat CM Punk nach dem Royal Rumble zumindest vorübergehend seinen Hut genommen. Zur Stunde ist noch nicht klar, ob dies ein permanenter Abschied ist.
Dessen ungeachtet können mittlerweile wenigstens fundierte Spekulationen über den Grund seines Weggangs angestellt werden. Aber am Ende geht es natürlich auch wieder um Daniel Bryan.
Meist milde Spoiler folgen.
Das folgende Video wurde auf der Wizard World Comic Con aufgenommen, zwei Tage vor dem Royal Rumble und drei Tage vor Punks offiziellem Abschied:
Somit kam sein Weggang nicht gänzlich ohne Vorwarnung, wenn auch die meisten Fans (yours truly eingeschlossen) von der Nachricht am vergangenen Montag überrascht wurden.
Dass Punk körperlich angeschlagen ist, darf man ihm ruhig glauben. Er ist schon mehr als die Hälfte seines bisherigen Lebens Wrestler, und hat insbesondere in den frühen Jahren viele waghalsige Manöver an den Tag gelegt. Doch das alleine könnte auch nur (wie letztes Jahr) eine angekündigte Pause wert sein, nicht einen möglicherweise permanenten Ausstieg. Wir werden sehen.
Doch zunächst stellt Punk fest, dass dies scheinbar das Jahr von Daniel Bryan wird beziehungsweise werden sollte, genau wie in der Vergangenheit die Zeit von CM Punk gekommen schien. Doch was aus Punk geworden ist, schmeckt ihm nicht. Zwar hatte er einen rekordverdächtig langen Championship Reign (434 Tage), aber das erscheint ohnehin mehr wie ein Unfall. Obwohl er zu WrestleMania 28 WWE Champion war, gehörte das Main Event dem seit Urzeiten etablierten John Cena und dem frischen Rückkehrer The Rock. Ein Jahr später muss der den Gürtel eben jenem Rückkehrer, der zwischenzeitlich fast ein Jahr lang nicht zugegen war, vor die Füße legen, und das Main Event von WrestleMania 29 gehörte erneut Cena und The Rock, nur diesmal eben um den Titel. Ein Match gegen den Undertaker bei WrestleMania hat Punk nie gewollt, schließlich sei der Sieger vorher klar (wobei es nicht darum geht, dass Punk nicht verlieren mag, doch ist es eben für das Publikum nicht unbedingt spannend, wenn vorher klar ist, wie es ausgehen wird; und ohne den Tod von Paul Bearer, wäre die Story, so grenzwertig sie auch war, ziemlich schwach gewesen), doch genau dort wurde er "geparkt". (Logisch, es ist eine Auszeichnung für sich, gegen Taker antreten zu dürfen, doch als #1 (die Punk hätte sein sollen aber nie gewesen ist) hätte man eigentlich anderes zu tun.)
Lange historische Rede, kurzer aktueller Sinn: nur weil es scheint, als sollte dies das Jahr Daniel Bryans werden, heißt das noch lange nicht, dass sich die WWE darauf ein lässt.
Warum Bryan vermutlich nicht im Main Even von WrestleMania sein wird, ist schnell erklärt: Batista. Punk macht zwar klar, dass es etwas anderes ist, wenn alte Wrestler mit "richtigem" Vertrag zurück kommen (Batista hat für zwei volle Jahre unterschrieben, und hat -- zumindest theoretisch -- ein ähnliches Pensum zu absolvieren wie die anderen Wrestler), doch man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es ihm trotzdem nicht passt. Und warum auch? Hier kommt ein ehemaliger Wrestler zurück, der bereits alt war, als er seine kurze WWE-Karriere begonnen hatte, und dessen Strahlkraft in den Mainstream jenseits des etablierten "WWE Universe" zu wünschen übrig lässt; trotzdem katapultiert sich Batista aus dem Stand ins Main Event. Das mag man unfair finden oder nicht, doch mindestens ist es langweilig.
Ob Batista tatsächlich ein volles Pensum absolviert, bleibt abzuwarten. Körperlich machte er im Rumble, so kurz sein Auftritt da auch war, keinen guten Eindruck. Seine Moves ließen zu wünschen übrig (man vergleiche nur seinen Spear mit dem von Roman Reigns), und er war merklich außer Atem, als er seine zehn Minuten hinter sich hatte.
Punk versucht, möglichst diplomatisch zu sein. Ist am Ende alles doch nur Schauspiel? Punk tritt zurück; Mick Foley ist so angewiedert vom Rumble, dass er am liebsten einen Ziegelstein in den Fernseher werfen würde (und dreht später ein Video, in welchem er einen Fernseher mit einer Baseballkeule zerlegt); Stone Cold Steve Austin kündigt an, der Sache auf den Grund zu gehen, twittert nachher von "Bryanmania" und will im kommenden Podcast Anrufern Rede und Antwort stehen. Man kann, man darf, man muss von der WWE enttäuscht sein, doch ist es alles nur Show?
Daniel Bryan ist im entscheidenden Match bei Elimination Chamber. Doch es ist sehr, sehr unwahrscheinlich, dass er als Champion aus dem PPV hervor geht. Erstens wäre es ein schwacher Sieg, auf diese Weise den Titel zu gewinnen, schließlich muss Champ Orton seinen Titel gegen fünf Wrestler verteidigen. Zweitens wird gemunkelt, dass Sheamus' Turn in der Chamber stattfinden soll, er dann Bryan den Sieg kostet, und die beiden mal wieder bei WrestleMania aufeinander treffen -- zumindest war dies wohl der Plan vor der katastrophalen Reaktion auf den Rumble (alternativ könnte es auch Triple H versus Bryan bei 'Mania geben; das würde zwar wenigstens die Story weiter nach vorne bringen, doch das Main Event würde (mal wieder) dröge und langweilig).
Doch vielleicht bekommt die WWE noch die Kurve. Wir werden sehen. Falls das WWE Network, welches einen Tag nach Elimination Chamber starten wird, keine Totgeburt sein soll, können sie es sich jedenfalls nicht erlauben, die vorhandenen Fans derart zu demotivieren. Mit Batista und Orton (und dem unzerstörbaren Cena) können bestenfalls ein paar Kinder dazu gebracht werden, ihre Eltern um ein Abo anzubetteln, doch der große Andrang wird ausbleiben. (Alldieweil: auch bei den Kiddies kommt Bryan mittlerweile gut an, es ist nicht so, dass dieses Zielpublikum bei einem Push für Bryan außen vor bliebe.)
Damit das WWE Network erfolgreich starten kann, sind vor allem Trendsetter vonnöten. Und diese finden sich weit eher unter den Bryan- als unter den Batista-Fans. Die WWE versucht zwar, den sogenannten "Smarks" einen Brocken vor die Füße zu werfen, indem sie (Smackdown Spoiler!) am Freitag Antonio Cesaro und Christian in die Chamber katapultieren werden, aber wenn das alles wäre, dürfte es sich als zu wenig erweisen.
In den kommenden Monaten entscheidet sich nicht nur, ob yours truly und andere enttäuschte Fans am Ball bleiben werden, sondern es geht um nicht weniger als die Zukunft der WWE. Dass einer der beliebtesten Wrestler nicht mit seiner Anwesenheit für das WWE Network werben könnte, ist alleine schon schlimm genug. Mit dem Network vor die Wand zu fahren dürfte schwer zu verkraften sein. Elimination Chamber ist der Scheideweg, die letzte Chance, die Kurve noch zu kriegen. Die erste Ausfahrt genannt Royal Rumble haben sie schon verpasst.
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