Dienstag, 28. Januar 2014

Konsolidierte Frustration: Royal Rumble 2014 und die Folgen

In dieser Welt sind die Leute in zwei Gruppen einzuteilen: Marks und Nicht-Marks. Nicht-Marks sind nur jene, die für den präsentierten Reigen verantwortlich zeigen, alle anderen gilt es zu packen, emotional und/oder am Portmonnaie. Ich bin mir dessen nur zu gut bewusst: so sehr man sich auch für eine Stufe über den Marks hält, am Ende bleibt's das Gleiche, und die WWE versucht, uns etwas vorzumachen. Nur weil man ein Iota Hintergrundwissen mitbringt, bedeutet dies nicht, dass man immun wäre -- vielmehr muss die WWE einfach tiefer in die Trickkiste greifen.

Doch ist es das? Werden wir "gespielt"? Wird unsere Enttäuschung bewusst in Kauf genommen, um uns in nicht näher bestimmter Zukunft diesen Scheck einlösen zu lassen?

Im weiteren Teil des Textes hagelt es Spoiler, also vorsichtig.

Hier eine kurze Rekapitulation der Ereignisse:
Der Rumble fängt fulminant an, als Bray Wyatt Daniel Bryan in einem großartigen Match besiegt (wo selbst die Wyatt-Hassfraktion in unserer Runde zugeben musste, dass es beeindruckend und unterhaltsam gewesen war). Der absolute Publikumsliebling Daniel Bryan liegt zerstört am Boden, sicherlich kann für ihn das PPV so nicht enden? Im Rumble wird er bestimmt aufräumen!

Wrestler nach Wrestler kommt herein, und seit ungefähr #25 sind die "Daniel Bryan"-Rufe deutlich hörbar. Die Hoffnung steigt mit jeder weiteren Nummer, bis schließlich #30 Einzug hält: Rey Mysterio.

Der arme Rey wurde vermutlich in seinem Leben noch nie so ausgebuht, und dabei konnte er noch nicht einmal etwas dafür. Das Publikum (auf beiden Seiten des Bildschirms) wollte Bryan den Rumble dominieren sehen. Wenn schon nicht gewinnen, dann sich wenigstens bei der Wyatt-Family revanchieren. Wenigstens unter den letzten vier sein. Wenigstens ein paar Wrestler eliminieren. Wenigstens dabei sein. Irgend etwas.

Bryan mal kurz außen vor: der Sieg von Batista war vor allem vorhersagbar. Die Vöglein zwitscherten es von den Dächern und Websites, und Batista selber kündigte eine Woche vor dem Rumble gelangweilt (oder außer Atem?) an, dass er gewinnen würde. Anschließend gewinne er gegen wen-auch-immer bei WrestleMania. Damit ist das auch schon mal geklärt.

Niemand will abgehalfterte Ex-Wrestler ohne Ausdauer, Technik und Charisma zurückkehren sehen. Bryan nicht im Rumble zu haben, war eine Fehlentscheidung, Batista gewinnen zu lassen ist eine Katastrophe.

Die "Road to WrestleMania" war die letzen Jahre so vorhersehbar, und damit so langweilig, dass es fast ein Wunder ist, dass sich 'Mania nach wie vor gut verkauft. Logisch: es ist das größte Event des Wrestling-Jahres, ergo muss, wer sich zumindest halbwegs für die WWE interessiert, dabei sein. Doch Jahr für Jahr lässt die WWE ihre "normalen" Wrestler (Bryan, Punk, Ziggler, Cesaro, und wie sie alle heißen -- an "Talenten" mangelt es der WWE seit einiger Zeit sicher nicht mehr) auf diese Weise schwach aussehen. Wer in der guten alten Zeit Wrestler war, kann auch nach 4, 5 Jahren Pause diesen albernen Jungspunten mal zeigen, wo der Hammer hängt.

Für uns lohnt es sich vielleicht, wegen Bryan am Ball zu bleiben. Wie misshandelte Hunde bleiben wir der WWE treu, und hoffen, so wir nur lange genug brav verharren, irgendwann unser Leckerli zu kassieren. Es könnte ja alles ein Trick sein -- Triple H plante genau diese Reaktion, der Triumph von Bryan (bei SummerSlam 2014? 2015?) wird nur um so gewaltiger (oder wir verlieren zwischenzeitlich das Interesse an Bryan, das wäre natürlich auch ok).
Aber den im und vor dem Ring gähnend langweiligen Batista, der zudem noch fühlbar dünnhäutig auf die Fan-Reaktionen abgeht, als das Main Event von WrestleMania zu verkaufen, ist brechreizerregend. Twice in a Lifetime war bereits zwei Mal zu viel, nun ist Rock endlich wieder in Hollywood (wo ihm nicht gleich alle steroidverseuchten Muskeln gleichzeitig von den Knochen hüpfen müssen, weil er zwischen den Takes pausieren kann), und wir bekommen den unbeweglichen Wrestling-Opa Batista, der nicht nur nach ca. drei Minuten im Ring schon so außer Atem ist, dass ihm das Feiern seines billigen Sieges zu mühsam wird, sondern es auch noch schafft, die Zahl der nötigen Moves auf 2 zu reduzieren.
Das, was Batista im Ring bietet (bzw. gerade nicht), ist so postmodern, dass es schon kein Wrestling mehr ist. Sein Talent am Mikro ist so fesselnd, dass der "Künstler" selber beim Reden einzuschlafen scheint.

Das Publikum in Pittsburgh, eigentlich keine allzu motivierte Meute, war klasse. Die "Daniel Bryan"- und "Yes"-Rufe zu allen sich bietenden Gelegenheiten, die "No"-Rufe, als Sheamus sich auf den Brogue-Kick vorbereitete, das Ausbuhen von Batista und dem armen Reyrey ... so wird wenigstens unmißverständlich klar zum Ausdruck gebracht, dass man mit dem Gezeigten in keiner Weise zufrieden ist. Die Buh-Rufe nach Batistas Sieg waren derart gewaltig, dass die WWE diese (merklich) heraus filterte.

Wrestling lebt (auch) von der Illusion. Mit unfähigen Anti-Wrestlern wie Batista ist kein Leben möglich, denn die einzige Illusion, die aufrecht erhalten wird, ist Batistas Glaube, einer der ganz Großen zu sein. The Rock immerhin war mal jemand.

Es gibt natürlich einen guten Grund, warum der müde Batista ins Rampenlicht geprügelt wird: Guardians of the Galaxy. Dieser anstehende Marvel-Film hat das unzweifelhafte Vergnügen, Dave Bautista unter den "Schauspielern" führen zu dürfen. Und wenn dann Batista seine Promotion-Runde macht und durch die Talk Shows tingelt, macht sich der im April zu WrestleMania 30 zu gewinnende Championship-Gürtel sehr fesch, und es ist ganz, ganz tolle Werbung für die WWE, welche die Massen in Scharen zum nächsten PPV treiben wird. So wird es kommen, so muss es sein. Und am Ende macht die WWE nur eines: sie vergrault Fans, die sie bereits hat. In Fachkreisen nennt man so etwas "Milchmädchenrechnung".

Doch der erschreckendste Gedanke an der ganzen Sache: Guardians of the Galaxy erscheint erst im August ...

Für's Protokoll: WM Main Event mit Batista versus eine der Schnarchnasen Orton, Cena oder Lesnar, und ich bin raus. WWE Champ Batista, und ich bin raus. Daniel Bryan versus Sheamus, und ich bin raus. Denn dann ist der Zeitpunkt gekommen, wo sie es mir so deutlich eingebleut haben, dass sie mich als Fan nicht wollen, dass selbst ich es verstanden habe.

Es gab in den vergangenen Monaten so viele Anlässe zum Verzweifeln. Hin und wieder Hoffnung, denn, logisch, die WWE spielt mit uns. Aber die Möglichkeit für die WWE, mit heiler Haut aus der Sache heraus zu gehen, tendieren mittlerweile gegen Null.

Doch enden wir auf einer positiven Note: Roman Reigns hat Spaß gemacht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen