Freitag, 15. Juli 2011

Alles nur ein Spiel

Das Fantasy-Genre steht völlig zu Recht in einem schlechten Ruf. Während das andere Geek-Genre, Science Fiction, in allen Medien einige Perlen vorzuweisen hat, ist gut gemachte Fantasy rar gesät. Zu häufig Schema F (!), zu oft falscher Pathos, zu selten gut gemacht. Das gilt für Romane, Filme, Fernsehserien. Doch schauen wir uns ein aktuelles Gegenbeispiel an: Game of Thrones.
(Höchstens milde Spoiler.)

J.R.R. Tolkien
Bei Tolkien funktionierte die mit Menschen, Zwergen, Elben [sic!] und Orks bevölkerte Welt noch, da Tolkien jene von Grund auf erschuf, Mythos inklusive. Es ging ihm nicht darum, Mittelerde mit möglichst vielen phantastischen Spezies zu bevölkern, es hat sich so ergeben. Andere Autoren, die - bewusst oder unbewusst - versuchen, Tolkien zu emulieren, schmeißen oft möglichst viele Fantasy-Cliches an die Wand und sehen, was kleben bleibt.

Wie wohltuend ist im Vergleich zum landesüblichen Fantasy-Gedöns Game of Thrones, jener HBO-Serie, die sich an A Song of Ice and Fire anlehnt und deren Titel vom ersten Band der Reihe entliehen ist (welcher jedoch A Game of Thrones heißt). Orks und Elfen sucht man vergebens, es gibt ausschließlich Menschen (von einer ominösen, wenig greifbaren Bedrohung jenseits der (zugegeben phantastischen) riesigen Mauer aus Eis einmal abgesehen).

Peter Dinklage
Die Serie ist gut besetzt, und selbst die Kinderschauspielenden nerven nicht, im Gegenteil.
Besondere Beachtung verdienen Harry Lloyd (Doctor Who-Sehenden noch gut im Gedächtnis aus der Doppelfolge Human Nature / Family of Blood als der "Sohn" der "Familie") in der Rolle des ecklig-überheblichen Viserys Targaryen und Peter Dinklage als Tyrion Lannister.

Bei einem Staffelbudget von über 50 Millionen Dollar verwundert es nicht, dass Game of Thrones gleichzeitig bildgewaltig und mit Liebe zum Detail daher kommt. Dass George R. R. Martin, der Autor der Buchreihe, auch am Script beteiligt war, sorgte wohl mit dafür, dass die Drehbücher die hohe Qualität in allen Bereichen beibehalten.

Dass am Ende der ersten Staffel dann doch der Fantasy Tür und Tor geöffnet wird, ist nicht schlimm, im Gegenteil - zu diesem Zeitpunkt ist es eine willkommene Bereicherung.

Und nur um das klar zu stellen: ich habe nicht prinzipiell etwas gegen Fantasy. Wenn sie gut gemacht ist, immer her damit. Und Game of Thrones ist mehr als nur gut gemacht.

Für George R. R. Martin ergibt sich nun einiges an Stress: Der fünfte Band (A Dance with Dragons) ist gerade erst erschienen. Damit der TV-Serie, die sich pro Staffel an einen Buchband orientieren soll, nicht irgendwann der Stoff ausgeht, müssten bis 2016 beide noch ausstehenden Bände veröffentlicht sein. Für die letzten beiden Bände benötigte Martin jedoch jeweils knapp fünf Jahre.

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