Aber genug der drögen Nörgelei (alldieweil NXT und insbesondere Lucha Underground die Wrestling-Karre aus dem Dreck ziehen – warum also nicht verstärkt über jene Ligen schreiben, die es wert sind?), der vorzeitige Ruhestand von Daniel Bryan ist ein derart wichtiges Ereignis, dass ich geradezu verpflichtet bin, meine eigene Frührente zu unterbrechen.
Nach mehreren Untersuchungen ist bei Daniel Bryan nun die Erkenntnis angekommen, dass es vorbei sein sollte mit dem Wrestling: die Gehirnerschütterungen der Vergangenheit haben Spuren hinterlassen. Die Notbremse sei ihm mehr als gegönnt.
Daniel Bryan war seit jeher ein Wrestler, der immer alles gegeben hat. Der Erfolg in der WWE war messbar, aber bei weitem nicht angemessen: drei Mal war er WWE Heavyweight Champion, was angesicht so mancher Rekord-Titelträger um den Faktor 10 zu wenig erscheint.
Wichtiger, und deutlicheres Zeugnis der Fähigkeiten dieses Ausnahme-Performers, sind seine sonstigen Errungenschaften. Dave Meltzer vom Wrestling Observer Newsletter ernannte ihn zum Most Outstanding Wrestler in den Jahren 2006, 2007, 2008, 2009 und 2010 (und folgerichtig auch zum Most Outstanding Wrestler of the Decade), sowie zum Best Technical Wrestler der Jahre 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012 und 2013. Pro Wrestling Illustrated ernannte ihn zum Wrestler of the Year 2013 und setzte ihn 2014 auf Platz 1 der PWI 500.
Das verdeutlicht den Verlust, den die Welt des Wrestlings diese Woche erlitten hat. Doch dieser Rücktritt trifft noch härter, persönlicher.
Die Performance Art genannt "Pro-Wrestling" ist zutiefst mit ihren Performern verbunden. Es gibt das oberflächliche Level aus Plots, Stories und Matches, aus Siegen und Niederlagen, aber es gibt einen "Meta"-Level: wir folgen bestimmten Wrestlern für Jahre (und wenn nötig über Promotion-Grenzen hinweg), wir sehen sie im, am und jenseits des Rings besser werden, wir wollen, dass sie erfolgreich sind (was in der gescripteten Welt des Wrestlings ebenfalls zu einem Teil "Meta" ist).
Einen "echten" Athleten auf diese Art zu begleiten ist nicht das selbe, denn hier fehlt der erste Level. Es ist auch nicht das selbe wie Fan eines Schauspielers oder Musikers zu sein, denn hier fehlt der zweite Level. Es ist mehr als das. Es ist sogar mehr als die Summe der Teile.
Daniel Bryan geht noch darüber hinaus. Er war "einer von uns", unser Stellvertreter im Squared Circle. Es gab nur einen Unterschied zwischen ihm und uns: er war in seinem Tätigkeitsfeld der Beste der Welt.
Danke, Daniel. Mögest Du einen Ruhestand genießen, der mindestens so großartig ist wie Deine Fähigkeiten im Ring!

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