Willkommen im 21. Jahrhundert: Der weibliche Teil der WWE-Wrestler zeigen Match um Match, dass sie gleichberechtigt neben ihren männlichen Kollegen stehen können. Die Matches werden als so wichtig wahrgenommen, dass sie teils das Main Event der Veranstaltung sind – entweder im Auge des Publikums, oder ganz offiziell als letzter Kampf des Abend.
Diva's Revolution nennt sich das, und das Label straft dem oben beschriebenen umgehend Lügen. Was ist hier los, was ist passiert?
Ungefähr zu jener Zeit, als Paige NXT Women's Champion war, tat sich was in der WWE bezüglich des weiblichen Teils des Talents. Paige, Emma und Summer Rae waren zu mehr in der Lage, als ihre Kolleginnen in der "Oberliga". Dies lag erstens am Talent der Beteiligten (Paige und Emma hatten vorher bereits ordentlich Erfahrung in den Indies gesammelt; Summer Rae hatte zwar noch keine Wrestlingerfahrung, war aber wenigstens Athletin (Fußballerin, um genau zu sein) statt Model), aber auch und insbesondere, wie NXT das Frauenwrestling verkaufte. Beispielsweise wurden und werden die Wrestlerinnen nicht "Diven" gennant ...
AJ Lee öffnete parallel Tür und Tor für das gewissen Quäntchen "mehr", doch in Ermangelung an begabtem Umfeld verlief es nicht wirklich beeindruckend (alldieweil ihr wirklicher Durchbruch "nur" als Valet begann). Irgendwann wurden die drei eben genannten Wrestlerinnen "befördert", und AJ hätte Opposition gehabt, an der sie sich hätte abarbeiten können. Statt dessen gab es eine konvolute Frenemie-Story mit Paige ("bitches be crazy", das Mantra einer jeden WWE-Story, in der Frauen die Hauptrolle spielen), die am Ende des Tages beiden nicht viel brachte. Emma und Summer Rae wurden als Valets verhunzt. Toll.
Mit dem Weggang von AJ Lee und ihrem Tweet über die "Diva's Revolution" kurze Zeit zuvor, begann diese neue Era des WWE-Frauenwrestlings nun offiziell – und damit waren alle Bemühungen, alle Hoffnungen umgehend runter vom Tisch. Charlotte, Becky Lynch und (an vorderster Stelle) "The Boss", Sasha Banks, wurden NXT beraubt, um im folgenden in belanglosen Team-Matches und einem lächerlich herausgezögerten Championship-Match anzutreten. Die "Diva's Revolution" kreist von Anbeginn bis heute hauptsächlich um die Bellas. Ohne diese "alte Garde" (jene Frauen, die als Models engagiert wurden und nur eine unzureichende Ausbildung im Wrestling genossen haben – wiewohl die Bellas über die Jahre deutlich besser geworden sind, aber zu den "richtigen" Wrestlerinnen trennen sie nach wie vor Welten) geht scheinbar gar nichts.
Das Potential wäre da. Bei NXT ließen Charlotte, Becky und Sasha zusammen mit Bayley die Halle toben (und der Nachwuchs erarbeitet sich mittlerweile eine vergleichbare Position). Sasha Banks gehört zur absoluten Spitze dessen, was die WWE zu bieten hat – sie ist offenbar ein Naturtalent in allen Bereichen, die fürs Wrestling von Relevanz sind: Moves, Psychologie, Charakterdarstellung, Reden schwingen. Jede Nuance ihrer Darbietung ist auf ihren Charakter ausgerichtet. So etwas ist selten in der wunderbaren Welt der WWE (Roman Reigns, ich guck' dich an (jaja, bist besser geworden, ist ja ok)).
Doch solange die Bellas nach wie vor die erste Geige spielen, wird sich nichts ändern. Und solange die Wrestlerinnen weiter "Diven" geschimpft werden, ohnehin nicht. Es muss was passieren, und das schnell, sonst hat die WWE einige der herausragendsten Talente, die sie zur Zeit haben, verloren. Was nützt die beste Wrestlerin der Neuzeit, wenn diese "Diva" weiterhin nur in "bitches be crazy"-Stories agiert, die beim besten Willen nur als Toilettenpause gereichen?


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